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Sollen Vögel im Winter gefüttert werden und wie?

Sonntag, 13.11.2016
Die Meinungen gehen weit auseinander, wenn es um den Sinn der Winterfütterung von Vögeln geht. Grundsätzlich sind unsere Vögel, die bei uns überwintern, an die kalte Jahreszeit angepasst. Text und Foto: Georg Willi, Ornithologe Mauren

Auch ist nicht nachgewiesen, dass durch das Füttern mehr Vögel bei uns brüten würden. Zu sehr hängt dies von der Ausstattung unseres Lebensraumes ab. Und trotzdem: Beobachtungen am Futterbrett macht Freude, ist bei vielen Leuten fast der einzige Kontakt zu unseren einheimischen Vögeln. Und da massvolles und richtiges Füttern unschädlich ist, muss man darauf auch nicht verzichten. Da aber die Fütterung an einzelnen Orten ein gehäuftes Auftreten von Vögeln auf beschränktem Raum zur Folge hat, besteht auch die Gefahr der Übertragung von Krankheiten. Deshalb sind bestimmte Regeln bei der Fütterung zu berücksichtigen, auf die nachfolgend eingetreten wird.

Wann soll man füttern?

 Wenn der Boden gefroren oder eine geschlossene Schneedecke vorhanden ist, kann die Fütterung manchem Vogel helfen, zu überleben. Auch wenn jetzt Anfang November der Winter noch weit weg zu sein scheint, ist es sinnvoll, bereits mit der Fütterung zu beginnen. Die Vögel können sich dann an den Futterplatz gewöhnen, auch wenn sie nur unregelmässig hier erscheinen. Wenn dann das Wetter jedoch kälter und garstiger wird, müssen sie nicht zu viel Energie für die Nahrungssuche aufbringen und können gezielt den bereits bekannten Futterplatz ansteuern.  

Was soll man füttern?

Grundsätzlich sollte nur gefüttert werden, was der natürlichen Nahrung der Vögel entspricht. Gewürzte, insbesondere gesalzene Speisen wie auch Brot und Essensreste gehören auf jeden Fall nicht dazu! Die grösste Vogelgruppe am Futterhaus sind Arten mit dickem und kräftigem Schnabel wie Finken, Sperlinge, aber auch Meisen, Kleiber und Spechte. Für sie gibt es im Handel verschiedene Fertigfuttermischungen. In Liechtenstein können Futterkästen und entsprechende Futterklötze gekauft werden. Sie werden von den ornithologischen Vereinen im Lande hergestellt und an verschiedenen Orten zum Kauf angeboten. Diese Futterklötze stellen ein ideales Futtergemisch für die Vögel dar. Einige Arten holen ihr Futter gerne auch bei Meisenknödel. Auch Amsel, Rotkehlchen und Star als Insektenfresser erscheinen regelmässig an Futterstellen. Sie fressen gerne Haferflocken, Rosinen und Obst, das auch angefault sein kann. Auch zerhackte Baum- und Haselnüsse, Rindertalg und Schweinefett verschmähen sie nicht.  

Was ist bei einer Futterstelle zu beachten?

Körner, Haferflocken und Rosinen sind vor Nässe zu schützen, weshalb Futterhäuschen mit Reservebehälter, wo das Futter direkt herausgepickt oder in offene, nicht zu breite Futterkrippen nachsickern kann, optimal sind. Die Vögel sollten sich nicht in das Futter hineinsetzen können und dieses verkoten (vgl. Punkt „Wie kann ich Krankheiten vorbeugen?“). Ein Dach soll für die trockene Lagerung des Futters sorgen, jedoch die freie Sicht für die Vögel nicht behindern. Nusssäckchen, Fettringe und Meisenknödel können auch unter freiem Himmel aufgehängt und Obst auf offenem Boden ausgelegt werden. Die unmittelbare Umgebung der Futterstelle im Umkreis von 2-5 m sollte frei sein, damit nicht Feinde wie z.B. Katzen den Vögeln auflauern können. Bäume und Sträucher in der Nähe bieten hingegen den Vögeln einen Zufluchtsort bei Gefahr.  

Wie kann ich Krankheiten vorbeugen?

In den letzten Jahren sind verschiedentlich Krankheiten bei Vögeln aufgetreten, die wie im Fall des Grünfinken durch Trichomonaden, einem einzelligen Krankheitserreger, zu starken Bestandeseinbussen führten. Solche Krankheiten werden gerade auch an Futterstellen übertragen, weil sich hier die Vögel in Gruppen aufhalten und dadurch Verunreinigungen des Futters durch Verkotung erfolgen können. Umso wichtiger ist die richtige Einrichtung der Futterstelle mit schmalen Krippen am Futterhaus oder die Nutzung von Futterautomaten. Auch ist immer darauf zu achten, dass die Futterstelle gereinigt und der Kot entfernt wird, ebenso das auf den Boden fallende Körner-Kot-Gemisch.   Wer diese Ratschläge befolgt, hilft nicht nur den Vögeln, sondern kann sich hoffentlich auch an ungetrübten Vogelbeobachtungen am Futterbrett erfreuen.   (Georg Willi, Ornithologe)

Sollen Vögel im Winter gefüttert werden und wie?